Der Junge und der Abenteurer

ornament

Ein Junge, ein Abenteurer und ein Monster reisen zusammen, um Angst zu begegnen und Mut zu finden."""

Story (German):

"""In einem fernen Land, wo der Nebel wie eine langsame, endlose Flut über die Berge rollte, stand ein kleines Dorf namens Norwick. Es war ein ruhiger Ort, mit Steinhäusern, strohgedeckten Dächern und Feldern, die sich bis zum Horizont erstreckten. Kinder spielten auf den Wiesen, Hirten pfiffen zu ihren Herden, und der Rhythmus des Lebens war beständig, als hätte die Zeit selbst vergessen, sich zu beeilen.

Doch selbst die friedlichsten Orte werfen Schatten, und Norwicks Schatten lag im Wald, der dunkel und verworren nach Osten reichte. Die Dorfbewohner nannten ihn Hollowwood und sprachen nur leise darüber. Denn tief in seinen endlosen Bäumen, so sagten sie, lebte ein Monster. Niemand konnte es genau beschreiben—einige schworen, es habe Flügel, andere, es krieche auf hundert Beinen, wieder andere behaupteten, es könne seine Gestalt nach Belieben verändern. Alle waren sich jedoch einig, dass es gefährlich war, und Kinder wurden gewarnt, sich nie zu nah heranzuwagen.

Unter diesen Kindern war ein Junge namens Rowan. Er war klein für sein Alter, mit kastanienbraunem Haar und neugierigen, weit aufgerissenen Augen. Anders als die meisten Kinder, die beim Gedanken an Hollowwood zitterten, fand Rowan sich oft an dessen dunkler Grenze wieder, fragend, was wirklich hinter den Bäumen lag. Sein Vater war einst ein Holzfäller gewesen, mutig und stark, doch er war verschwunden, als Rowan noch klein war. Niemand wusste, was aus ihm geworden war, und niemand wagte zu suchen. Rowan jedoch konnte nicht aufhören zu denken, dass Hollowwood Antworten verbarg.

Eines Sommerabends, als die Sonne in Gold und Karmesin über den Himmel schmolz, kam eine Fremde nach Norwick. Sie ritt, ihr Umhang vom Reisen abgenutzt, die Stiefel staubig, und ihre Augen scharf von der Erfahrung tausender Straßen. Sie trug einen langen Stab auf dem Rücken, und über der Schulter hing ein Beutel, geflickt mit Andenken aus fernen Ländern. Ihr Name war Kaelen, doch die meisten nannten sie einfach den Abenteurer. Sie hatte Wüsten durchquert, stürmische Meere befahren und Gefahren getrotzt, die sich kaum jemand vorstellen konnte. Doch nach Norwick war sie bisher nie gekommen.

Die Dorfbewohner versammelten sich in der Taverne, um ihre Geschichten zu hören, denn solche Reisenden waren selten. Kaelen sprach von Bergen, die Feuer spien, Städten auf Eisfelsen und Flüssen, die wie Chöre sangen. Rowan hörte mit großen Augen aus einer Ecke zu, wo er eine Tasse Milch umklammerte. Als jemand fragte, warum sie nach Norwick gekommen sei, glitt Kaelens Blick nach Osten.

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Ein Schweigen legte sich über den Raum. Die Dorfbewohner tauschten besorgte Blicke. Die alte Maera, von der man sagte, sie kenne mehr Geschichten als jeder andere, lehnte sich auf ihren Stock vor. „Besser, du kehrst um, Abenteurerin“, warnte sie. „Hollowwood birgt nichts als Tod. Viele, die eintreten, kehren nicht zurück.“

„Vielleicht“, antwortete Kaelen ruhig. „Aber ich habe Flüstern über ein Wesen gehört, das dort lebt, und wo solche Flüstern entstehen, folgt die Wahrheit oft. Ich muss wissen, was es ist.“

Rowans Herz hämmerte. Endlich war jemand da, der vielleicht die Wahrheit enthüllen konnte, nach der er sich sehnte. In dieser Nacht, während das Dorf schlief, schlich Rowan zur Taverne und fand Kaelen, die bei Laternenlicht ihr Pferd versorgte. Er trat vor, die Stimme zitternd. „Nimm mich mit.“

Kaelen drehte sich überrascht um. „Du? Du kannst nicht älter als zwölf sein.“

„Dreizehn“, sagte Rowan schnell. „Und ich bin stark. Mein Vater ging vor Jahren in Hollowwood. Er kam nie zurück. Ich muss wissen, was mit ihm geschah. Bitte.“

Die Abenteurerin musterte ihn lange. Sie sah das Feuer in seinen Augen, ein Feuer, das sie selbst als junges Mädchen getragen hatte. Schließlich seufzte sie. „Gut. Aber verstehe, Junge, diese Reise wird nicht leicht sein. Du könntest Antworten finden, die dir nicht gefallen.“

Rowan nickte entschlossen. „Ich will lieber die Wahrheit kennen, als in Angst zu leben.“

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Anfangs versuchte Rowan, mutig zu sein, doch jedes Rascheln der Zweige ließ ihn zusammenzucken. Kaelen ging ruhig voran, die Augen nach Spuren am Boden suchend, die Ohren aufmerksam auf das Murmeln des Waldes. Stundenlang wanderten sie tiefer und tiefer, bis der Pfad hinter ihnen im Dämmerlicht zu verschwinden schien.

Dann hörten sie es—das Geräusch von Bewegung in der Nähe. Schwere Schritte, langsam und bedacht, als würde die Erde selbst sich bewegen. Rowan erstarrte, klammerte sich an Kaelens Umhang. Aus den Schatten trat eine Gestalt, massiv und fremd. Zunächst schien es ein Alptraumwesen: breite Schultern, lange Glieder, Augen, die schwach im dämmrigen Licht glühten. Rowans Atem stockte. Das Hollowwood-Monster stand vor ihnen.

Doch es stürmte nicht vor. Stattdessen blieb es ein paar Schritte entfernt stehen und neigte den Kopf, als sei es neugierig. Seine Stimme, als sie ertönte, war tief und rau, aber nicht unfreundlich. „Warum kommt ihr hierher, Fremde?“

Rowan starrte sprachlos. Kaelen trat vor, den Stab in der Hand, aber nicht erhoben. „Wir suchen die Wahrheit“, sagte sie. „Die Dorfbewohner fürchten dich, Monster. Sie erzählen Geschichten von deiner Grausamkeit. Aber ich möchte wissen, wer du wirklich bist.“

Die leuchtenden Augen des Wesens wurden weich. „Grausam? Ich schädige nicht, es sei denn, ich muss. Ich werde Bramble genannt. Vor langer Zeit kamen Männer hierher mit Feuer und Äxten, und ich verteidigte meinen Wald. Seitdem fürchten sie mich.“

Rowans Stimme kam schließlich als Flüstern heraus. „Hast du… hast du meinen Vater genommen? Er ging vor Jahren in Hollowwood.“

Brambles Blick senkte sich. „Ein Holzfäller? Ja… ich erinnere mich. Er kam mit der Axt in der Hand, doch er hob sie nicht. Er war müde, verloren, und ich zeigte ihm die Quelle mit frischem Wasser. Er wählte zu bleiben, tiefer zu wandern. Ich habe ihm nicht geschadet. Doch wohin sein Weg danach führte, weiß ich nicht.“

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„Vielleicht“, sagte Bramble sanft. „Hollowwood ist weit. Viele Wege führen zu Orten, die nur wenige betreten.“

Kaelens Augen verengten sich, sie spürte das Gewicht der Worte des Wesens. „Dann führe uns. Wenn du nicht das Grauen bist, für das sie dich halten, beweise es. Hilf diesem Jungen, zu finden, was er sucht.“

Bramble musterte beide. Dann nickte er mit einem grollenden Seufzer. „Gut. Aber Hollowwood ist nicht wegen mir gefährlich, sondern wegen dessen, was tiefer schlummert. Wer folgt, muss mutig sein.“

So begann eine ungewöhnliche Gemeinschaft: der Junge, der Abenteurer und das Monster. Gemeinsam reisten sie tiefer in Hollowwood, folgten verborgenen Bächen und vergessenen Pfaden. Unterwegs lernte Rowan, dass Bramble nicht nur ein Tier war, sondern ein Wächter. Er konnte Ranken heraufbeschwören, um sie zu schützen, spürte das Leben jedes Baumes und seine Kraft war so grenzenlos wie der Wald selbst. Doch er sprach mit Sanftmut, manchmal mit Traurigkeit, als wäre er durch Jahre der Einsamkeit belastet.

Mit der Zeit wurde Rowan weniger ängstlich. Er begann, Bramble Fragen über den Wald, seine Geheimnisse und Geschichten zu stellen. Bramble antwortete geduldig und lachte manchmal über die endlose Neugier des Jungen. Auch Kaelen beobachtete interessiert, ihr Misstrauen schwand. Sie hatte viele Kreaturen auf ihren Reisen getroffen, aber wenige mit so einer Balance aus Macht und Güte.

Ihre Reise war nicht ohne Prüfungen. Eines Nachts zelteten sie auf einer Lichtung, wo seltsame Lichter zwischen den Bäumen flackerten. Rowan hielt sie für Glühwürmchen, doch Brambles Augen verdunkelten sich. „Das sind keine Glühwürmchen. Es sind Wispen-Schatten, Schelme, die Reisende in die Irre führen.“ Gewiss begannen die Lichter zu wirbeln, flüsternde Stimmen erfüllten die Luft, riefen Rowans Namen in der Stimme seines Vaters. Er stand fast auf, um zu folgen, doch Bramble legte eine schwere Hand auf seine Schulter. „Sie sprechen Lügen. Bleib nah, sonst wirst du für immer verloren sein.“

Ein anderes Mal kamen sie auf eine Schlucht, zu breit zum Überschreiten. Kaelen studierte Steine und Ranken und suchte nach einem Weg. Bramble hob Rowan auf seinen breiten Rücken und sprang mit einem mächtigen Satz hinüber. Rowan lachte vor Staunen und klammerte sich an Brambles moosbedecktes Fell.

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Brambles Augen glühten sanft. „Dieser Wald ist mein Herz. Ihn zu verlassen, hieße, mich selbst zu verlassen. Angst kann ich ertragen. Verlassenheit nicht.“

Schließlich, nach vielen Tagen, erreichten sie das Herz von Hollowwood. Dort standen Ruinen, alt und zerfallen, überwuchert von Ranken. Ein lange vergessenes Tempelgebäude. Bramble wurde angespannt, seine Stimme gedämpft. „Hier liegt, wovor ich euch warnte. Eine größere Dunkelheit schläft hier. Dein Vater… wenn er so weit wanderte…“ Er beendete den Satz nicht.

Rowans Herz pochte. Er trat vor, Kaelen an seiner Seite, Bramble dicht dahinter. In den Ruinen klammerten sich Schatten an die Wände wie lebendige Wesen. Seltsame Schnitzereien zierten den Stein, zeigten Kämpfe zwischen Menschen und Bestien. Und dort, auf dem Altar, lag ein zerrissenes Stoffstück—ein Stoffstück, das Rowan erkannte. Es stammte aus dem Tunika seines Vaters.

Bevor er es erreichen konnte, erfüllte eine Stimme den Raum, kalt und grausam. „Noch mehr Eindringlinge? Noch mehr Herzen zu beanspruchen?“ Aus der Dunkelheit erhob sich eine Gestalt, verdreht und furchtbar. Sie war nicht von Brambles Art, sondern älter—ein Schattenwesen, mit Klauen wie Klingen und Augen, die wie Glut brannten.

Brambles Gestalt versteifte sich. „Der Hollow One“, knurrte er. „Er hätte nicht erwachen sollen.“

Das Monster lachte, ein Geräusch wie brechende Knochen. „Du hast den Wald so lange geschützt, Wächter, doch nun werde ich von der Angst zehren. Der Holzfäller, der zuvor kam… er widerstand, doch er fiel. Seine Angst war süß.“

Rowans Schrei hallte. „Nein! Du lügst!“

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Die Kammer brach in Chaos aus. Schatten wanden sich und schlugen umher, Klauen trafen den Stein. Bramble stürmte vor, packte das Biest, Ranken wanden sich um seine Glieder. Kaelen schickte Lichtbögen, drängte die Dunkelheit zurück. Rowan, obwohl erschrocken, griff das Stoffstück und hielt es an seine Brust. Sein Vater war hier gewesen—vielleicht noch in der Nähe, vielleicht fort—doch sein Mut brannte heller als die Angst.

Der Hollow One brüllte, zerstörte Ranken, schleuderte Bramble beiseite. Er richtete seinen brennenden Blick auf Rowan. „Kind des Holzfällers… deine Angst wird mir gehören.“

Rowan zitterte, erinnerte sich dann aber an Brambles sanfte Worte, Kaelens ruhige Stärke und die Erinnerung an seinen Vater. Er trat vor, die Stimme zitternd, aber fest. „Du kannst meine Angst nicht haben. Sie gehört mir—und ich wähle den Mut.“

Licht flammte auf. Nicht von Kaelens Stab, noch von Brambles Kraft, sondern von Rowan selbst. Ein Glühen breitete sich von seiner Brust aus, füllte die Kammer und drängte die Schatten zurück. Der Hollow One kreischte, zog sich zurück, seine Form löste sich wie Rauch im Wind auf. Mit einem letzten Brüllen verschwand er.

Stille senkte sich. Rowan sank auf die Knie, keuchend, aber am Leben. Kaelen eilte zu seiner Seite, während Bramble langsam aufstand, angeschlagen, aber ungebrochen. „Das Herz des Jungen…“, flüsterte Bramble. „Stärker als jede Waffe.“

Sie durchsuchten die Ruinen, doch keine Spur von Rowans Vater blieb, außer dem Stoffstück. Ob er gestorben war oder weitergezogen, konnten sie nicht wissen. Rowan weinte, doch in seiner Trauer lag Frieden—denn endlich hatte er der Wahrheit ins Auge gesehen. Sein Vater war in Hollowwood gegangen, und obwohl er nicht zurückkehrte, konnte Rowan seine Erinnerung mit Stärke weitertragen.

Als sie aus dem Wald traten, staunten die Dorfbewohner, sie lebend zu sehen—und mit Bramble an ihrer Seite. Rowan trat vor, nicht länger der schüchterne Junge, der er einst war. „Dieses Monster ist kein Feind“, verkündete er. „Er ist ein Wächter. Das wahre Böse ist fort, zerstört. Angst hat keine Macht mehr über uns.“

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Langsam begann die Angst zu schwinden. Bramble blieb im Wald, aber nicht länger als Schrecken. Die Dorfbewohner lernten, neben ihm zu leben, und suchten manchmal sogar seinen Rat. Kaelen zog wieder weiter, wie Abenteurer es immer tun, doch sie blickte zurück mit einem Lächeln, wissend, dass sie etwas Seltenes miterlebt hatte. Und Rowan—Rowan wurde stark, nicht weil er keine Angst mehr fühlte, sondern weil er gelernt hatte, ihr zu begegnen.

So fanden der Junge, der Abenteurer und das Monster jeweils, was sie suchten: Mut, Wahrheit und einen Platz in der Welt, wo selbst Schatten ihr Licht nicht dimmen konnten.

Häufig gestellte Fragen

Für welches Alter ist diese Geschichte geeignet?

Diese Geschichte ist geeignet für 3–13 Jahre.

Kann ich diese Geschichte als Audio anhören?

Diese Geschichte kann online kostenlos gelesen werden.

Wie lang ist diese Gutenachtgeschichte für Kinder?

Dies ist eine kurze Gutenachtgeschichte für Kinder, die normalerweise gelesen werden kann in 15 Minuten

Sind diese Gutenachtgeschichten kostenlos zu lesen?

Ja, Sie können diese Gutenachtgeschichten online kostenlos lesen.

Ist diese Geschichte für Kinder geeignet?

Ja, diese Geschichte ist für Kinder geschrieben und perfekt zum Vorlesen vor dem Schlafengehen.

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