Der Hase und die Schildkröte

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In einem weiten, sonnenbeschienenen Wald, wo der Boden stets nach Kiefernnadeln duftete und die Pfade sich wie goldene Bänder durch das hohe Gras zogen, lebte ein Hase — der schnellste Läufer weit und breit.

Der Hase und die Schildkröte

Der Hase liebte es, mit seiner Geschwindigkeit zu prahlen; nicht aus Bosheit, sondern einfach, weil ihn jeder täglich daran erinnerte, wie unschlagbar er war.

Eines hellen Morgens, während er am Bach seine langen Ohren pflegte und unruhig umherhüpfte, bemerkte er eine Schildkröte, die langsam über eine Holzbrücke kroch. Knarr—knarr, knarr—knarr, jede Planke unter ihrem Panzer ächzte leise.

„Ach bitte!“ rief der Hase lachend. „Immer noch auf der Brücke? In diesem Tempo erreichst du das andere Ende vielleicht bei Sonnenuntergang!“

Die Schildkröte, die an sein Spott gewohnt war, zog für einen Moment ruhig ihren Kopf in den Panzer zurück, sah ihn dann an und sagte:

„Weißt du, Hase,“ sagte sie sanft, aber bestimmt, „ich renne vielleicht nicht wie der Wind, aber ich komme immer dort an, wo ich hin möchte. Langsam bedeutet nicht hoffnungslos.“

Der Hase lachte so laut, dass drei Spatzen erschrocken von einem Ast aufflogen.

„Wenn du so sicher bist,“ fuhr die Schildkröte fort, „warum entscheiden wir es dann nicht? Lass uns ein Rennen laufen. Dann sehen wir, wessen Worte wahr sind.“

Der Hase konnte kaum atmen vor Lachen.

„Ein Rennen? Mit DIR? Na schön! Das wird immerhin unterhaltsam.“

Die Nachricht über die seltsame Herausforderung verbreitete sich im ganzen Wald, und bald versammelten sich viele Tiere, um zuzusehen. Der Richter war der alte, kluge Fuchs, bekannt dafür, niemals jemanden zu bevorzugen, aber stets einen guten Wettkampf zu genießen.

Der Fuchs markierte eine lange Strecke über die Wiese, durch ein schattiges Waldstück und hin zu einem hohen Steinmarker auf einem Hügel.

Der Hase und die Schildkröte

„Bereit?“ fragte er und blickte zwischen den eifrigen Hasen und die ruhige, beständige Schildkröte hin und her.

„Los!“

Der Hase schoss wie ein Pfeil davon und hinterließ nichts als eine Staubwolke. Die Schildkröte begann ihre Reise langsam, zielstrebig und mit geduldiger Entschlossenheit.

Schon bald war der Hase so weit voraus, dass er sie nicht einmal mehr sehen konnte.

„Dieses Rennen ist schon gewonnen,“ sagte er selbstgefällig. „Ich könnte rückwärts ins Ziel spazieren und sie trotzdem schlagen.“

Da der Hase nur zwei Dinge liebte — Rennen und Nickerchen — beschloss er, sich unter einer Weide am Weg ein wenig auszuruhen. Der Schatten war kühl, das Gras weich. „Nur ein paar Minuten…“ murmelte er und schlief sofort ein.

Währenddessen setzte die Schildkröte ihren stetigen Marsch fort. Sie ignorierte die Hitze, die lange Strecke und die Tatsache, dass niemand erwartete, dass sie gewinnen könnte. Ihr ganzes Augenmerk lag darauf, Schritt für Schritt weiterzugehen.

Als sie die Weide erreichte, sah sie den Hasen tief schlafend, seine Ohren schlaff, völlig ahnungslos, dass sie an ihm vorbeiging. Die Schildkröte sagte nichts. Sie lief einfach weiter den Hügel hinauf.

Als die Sonne sich neigte, war sie bereits nahe der Spitze.

Der Hase streckte sich endlich, gähnte und wachte auf.

„Was für ein erfrischendes Nickerchen!“ sagte er und sprang auf. „Jetzt beenden wir dieses kleine ‘Rennen’.“

Doch als er zum Hügel hinaufschaute, gefror sein Lächeln.

Dort war die Schildkröte — nur wenige Schritte von der Ziellinie entfernt.

Der Hase und die Schildkröte

Der Hase schoss los, schneller als je zuvor. Er raste über die Wiese, sprang über umgestürzte Äste und flog beinahe den Hügel hinauf — doch es war zu spät.

Noch bevor er die Hälfte erreicht hatte, hob der Fuchs seine Pfote und verkündete:

„Die Gewinnerin — die Schildkröte!“

Der Wald wurde für einen Moment völlig still… dann brach er in Jubel und Erstaunen aus. Die Schildkröte lächelte nur — bescheiden, aber stolz.

Der Hase erreichte sie, außer Atem und verwirrt.

„Ich verstehe es nicht… wie?“

Die Schildkröte trat ruhig zu ihm.

„Schnelligkeit ist nützlich,“ sagte sie, „aber Ausdauer und Beständigkeit können manchmal das Unschlagbare besiegen.“

Der Hase nickte, zum ersten Mal bewusst, wie falsch er gelegen hatte.

„Du hast ehrlich gewonnen,“ gab er zu. „Ich werde dich nie wieder unterschätzen.“

„Und ich,“ sagte die Schildkröte, „werde immer an meine eigenen Stärken glauben.“

Und so lernte der Hase, dass es nicht reicht, der Schnellste zu sein — man muss auch verlässlich, bescheiden und ausdauernd sein. Und die Schildkröte wurde zu einem Symbol der Beharrlichkeit, nicht nur im Wald, sondern überall dort, wo die Geschichte erzählt wurde.

Häufig gestellte Fragen

Für welches Alter ist diese Geschichte geeignet?

Diese Geschichte ist geeignet für 3–13 Jahre.

Kann ich diese Geschichte als Audio anhören?

Diese Geschichte kann online kostenlos gelesen werden.

Wie lang ist diese Gutenachtgeschichte für Kinder?

Dies ist eine kurze Gutenachtgeschichte für Kinder, die normalerweise gelesen werden kann in 5 Minuten

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Ja, Sie können diese Gutenachtgeschichten online kostenlos lesen.

Ist diese Geschichte für Kinder geeignet?

Ja, diese Geschichte ist für Kinder geschrieben und perfekt zum Vorlesen vor dem Schlafengehen.

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